Liebe Leserinnen, liebe Leser!

Das Beste am Glauben sind die vielen Fragen, wirbt die Nordkirche.

Zum Neuen Jahr bitten wir Sie also sich bereit zu halten für: „Hand auf’s Herz. – Ich frag dich jetzt!“
Wir wollen uns beschäftigen mit den „ganz großen Fragen“.

Welche das sind?! Vielleicht ist das schon die erste große Frage überhaupt…
Worin sehe ich den Sinn meines Lebens? Warum gibt es so viel Leid? Woran hängt mein Herz? Gibt es Gott? Was macht mich als Mensch aus?

Mein Philosophieprofessor sagte einmal, dass Herbert Grönemeyer in dem Song „Letzter Tag“ alle wichtigen Fragen des Menschseins ansingt: Weiß man, wie oft ein Herz brechen kann? Wie viele Sinne hat der Wahn? Lohnen sich Gefühle? Wie viele Tränen passen in einen Kanal? Leben wir noch mal? Warum wacht man auf? Was heilt die Zeit?

Für die Paare in Therapie gibt es eine Übung, einen Partner-Landkartencheck mit 21 Fragen, in dem die Frage nach der gegenseitigen Anziehungskraft neben der nach dem Lieblingsgericht und der größten Angst steht. „Würden Sie lieber mehr lieben und dafür mehr leiden oder weniger lieben und weniger leiden?“, fragt Barnes in seinem Bestseller „Die einzige Geschichte“.

Alle großen Fragen zeichnet aus, dass es auf sie nie nur eine Antwort gibt. Wenn es überhaupt eine Antwort gibt. Vielleicht ist das Fragen auch der Weg. Oder wie Rilke es ausdrückt: „Wenn man die Fragen lebt, lebt man vielleicht allmählich, ohne es zu merken, eines fremden Tages in die Antworten hinein.“

Machen Sie sich mit uns auf den Weg, lassen Sie uns fragen, die Hand auf’s Herz legen, Antworten suchen und finden und hineinleben in das Jahr 2020.

Ihre Pastorin Angelika Gogolin

KIRCHE IM UMBRUCH

„Kirche im Umbruch“ war das Thema unserer Gemeindeversammlung am 29. September 2019, in der wir unsere Gemeindeglieder über die Regionalisierungspläne für unsere Gemeinden im Umkreis informierten. „Kirche im Umbruch“, so ist auch eine Studie der Uni Freiburg überschrieben. Ich lese erschreckt die Prognosen von schrumpfenden Zahlen. Ich lese begeistert von Projekten und Ideen anderer Kirchengemeinden. Unsere Kirchengemeinde ist im vergangenen Jahr ganz gegen den Trend gewachsen. Wir alle freuen uns darüber! Wir wollen für die uns anvertrauten Menschen da sein. Wir wollen zur Auseinandersetzung mit geistlichen und gesellschaftlichen Themen einladen und Debatten anstoßen. Wir wollen…

Wir müssen kreativ werden und Wege finden, um auf eine große Herausforderung vorbereitet zu sein. Die evangelische Kirche muss in den nächsten 10 Jahren damit rechnen, mit ca. 40% weniger PastorInnen auszukommen. Es fehlt der Nachwuchs. Wir werden zukünftig mit den Kirchengemeinden Aumühle, Wohltorf, Wentorf und Hohenhorn zusammenarbeiten, damit auch weiterhin die „pastorale Versorgung“ aller Gemeinden gewährleistet bleibt. Im Moment sind wir sieben PastorInnen, in 10 Jahren werden wir wohl nur noch vier sein.

Wir, die KirchengemeinderätInnen und PastorInnen der Region, die wir uns im Vorfeld schon getroffen haben, um „uns zu finden“, gemeinsam lösungsorientiert zu denken und zu planen,  schauen einerseits mit Sorge auf die Zukunft und zugleich mit ganz viel Vorfreude auf gemeinsame Projekte und die künftige Zusammenarbeit.

Bestimmt geben die Anforderungen Anstoß, unser Kirchenbild (und damit auch das Berufsbild von PastorInnen) zu überdenken. Was sind unsere Aufgaben? Was ist unser Auftrag? Was wollen wir?

Diese Fragen werden uns weiter begleiten.
Für den Kirchengemeinderat, Ihre Pastorin Angelika Gogolin